PLM-Software für die Lebensmittelindustrie auswählen: 10 Kriterien

Besprechungstisch eines Lebensmittel-F&E-Teams mit ausgedruckten Rezepturblättern und Zutatengläsern, Versuchsküche im Hintergrund

Bei der Wahl einer PLM-Software für Lebensmittel genügt es nicht, Funktionen zu vergleichen. Je nach Bedarf Ihres Unternehmens zählen mehrere Kriterien: Rezepturentwicklung, Nährwertberechnung, Allergenmanagement, regulatorische Konformität, Zusammenarbeit mit Lieferanten und mehr. Wie vergleichen Sie die Anbieter und finden die Lösung, die zu Ihrer Organisation passt? Hier sind zehn Kriterien, die Sie prüfen sollten.

Zehn Kriterien für den Vergleich

1. Mehrstufige Rezepturen mit Ausbeuten und Verlusten

Prüfen Sie, ob eine Rezeptur Halbfertigprodukte über mehrere Stufen enthalten kann und ob Ausbeuten, Prozessverluste und Wasserverlust beim Backen oder Garen in die Berechnung eingehen.

Frage an den Anbieter: Erfassen Sie eine unserer Rezepturen mit einem Halbfertigprodukt und einem Garverlust, und zeigen Sie dann Endgewicht und Kosten.

2. Nährwerte und Kennzeichnung für jeden Markt

Nährwertdeklaration und Zutatenverzeichnis sollten aus der Rezeptur kommen, im Format des jeweiligen Markts: Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 (LMIV) in der EU, 21 CFR 101.9 in den USA, Nährwerttabelle in Kanada. Wer den Nutri-Score verwendet, braucht dieselben Daten (siehe unseren Beitrag zur Nutri-Score-Berechnung).

Frage an den Anbieter: Erzeugen Sie für dasselbe Produkt die EU-Nährwerttabelle und die US-Nutrition-Facts, und ändern Sie dann eine Menge.

3. Allergene, einschließlich Kreuzkontakt

Die 14 Allergene aus Anhang II der LMIV müssen von den Rohstoffen bis zum Fertigprodukt durchgerechnet werden. Die Software sollte dabei zugesetzte Allergene von einem Kreuzkontakt auf einer Linie oder an einem Standort unterscheiden (siehe unseren Beitrag zum Allergenmanagement).

Frage an den Anbieter: Woher kommt das Allergen auf diesem Produkt, und wie wird eine Spur durch die Produktionslinie behandelt?

4. Spezifikationen und Kunden-Datenblätter

Händler und Kunden können besondere Anforderungen an Zusammensetzung, Eigenschaften oder Kennzeichnung der Produkte stellen. Die PLM-Software sollte diese Anforderungen bereits während der Rezepturentwicklung prüfen und das Datenblatt in der Vorlage des Kunden erzeugen.

Frage an den Anbieter: Was passiert, wenn eine Rezeptur eine Anforderung des Kunden nicht mehr erfüllt?

5. Regulatorische Listen nach Land und Verwendung

Ein Zusatzstoff, der in einer Lebensmittelkategorie zugelassen ist, kann in einer anderen verboten sein; in der EU legt die Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 diese Bedingungen fest.

Frage an den Anbieter: Wer pflegt die regulatorischen Listen, welche Länder decken sie heute ab, und sieht man die regulatorischen Referenzen zu jedem Ergebnis?

6. Verpackungsdaten und PPWR

Die Software sollte die Verpackungsdaten (Materialien, Gewichte, Zusammensetzung, Recyclingfähigkeit) zentral verwalten und für die verschiedenen regulatorischen Anforderungen nutzen. Dazu gehören die EU-Verpackungsverordnung (EU) 2025/40 (PPWR), die seit dem 12. August 2026 gilt, und nationale Pflichten wie in Deutschland das Verpackungsgesetz (siehe unseren Beitrag zur Strukturierung der Verpackungsdaten).

Frage an den Anbieter: Zeigen Sie die Verpackungsstückliste eines Fertigprodukts und die Berechnung seiner Recyclingfähigkeit.

7. Lieferantenportal

Ein Portal erspart das Abtippen von Lieferanten-Spezifikationen und überwacht die Gültigkeit von Zertifikaten.

Frage an den Anbieter: Wie beantwortet ein Lieferant einen Fragebogen, und was passiert, wenn sein Zertifikat abläuft?

8. Entwicklungsprojekte und Workflows

Prüfen Sie, ob Projekte, Aufgaben und Freigaben im selben Werkzeug laufen wie die Produktdaten.

Frage an den Anbieter: Zeigen Sie ein typisches Projekt, vom Marketing-Briefing bis zur Freigabe durch den Kunden.

9. Integration mit ERP, GS1 und anderen Systemen

Die freigegebene Rezeptur sollte ohne erneute Eingabe ins ERP gelangen und die Produktdaten in die GS1-Kataloge.

Frage an den Anbieter: Welche Konnektoren gehören zum Standard, und ist die API öffentlich dokumentiert?

10. Betrieb, Datenhoheit und Gesamtkosten

Vergleichen Sie SaaS und Installation auf eigenen Servern, den Hosting-Standort, den vollständigen Datenexport und das Lizenzmodell. Fragen Sie nach den Kosten über fünf Jahre (Lizenzen, Einführung, Wartung) und nach dem Zeitplan bis zum Start eines ersten Umfangs.

Frage an den Anbieter: Können wir alle unsere Daten exportieren, in welchem Format, und was ist im angebotenen Preis enthalten?

Übersichtstabelle

KriteriumWarum es zähltFrage an den Anbieter
Mehrstufige RezepturenRichtige Kosten und GewichteZeigen Sie eine Rezeptur mit Halbfertigprodukt und Garverlust.
Nährwerte und KennzeichnungEin konformes Etikett je MarktErzeugen Sie EU- und US-Tabelle für dasselbe Produkt.
AllergeneVerbrauchersicherheit, RückrufeWoher kommt dieses Allergen, und der Kreuzkontakt?
KundenspezifikationenAnforderungen des HandelsWas passiert bei einer Abweichung?
Regulatorische ListenMarktzugangWer pflegt sie, und für welche Länder?
Verpackungen und PPWREU- und nationale PflichtenZeigen Sie die Recyclingfähigkeit eines Fertigprodukts.
LieferantenportalVerlässliche Daten ohne AbtippenWas passiert, wenn ein Zertifikat abläuft?
Projekte und WorkflowsTime-to-MarketZeigen Sie ein Projekt von Anfang bis Ende.
IntegrationKeine DoppelerfassungWelche Standardkonnektoren, welche API?
Betrieb und KostenUnabhängigkeit und BudgetWas steckt im Preis, und bekommen wir unsere Daten zurück?

Wie beCPG diese Kriterien erfüllt

beCPG ist eine Open-Source-PLM-Software für Lebensmittel und Kosmetik, entwickelt seit 2010. Die Formulierung verwaltet mehrstufige Rezepturen mit Halbfertigprodukten, Ausbeuten, Verlusten, Aufschlag (Overrun) und Feuchtigkeit. Sie berechnet Kosten, Nährwerte, Allergene, Zutatenverzeichnis und Angaben (Claims). Nährwerttabellen werden in den offiziellen Formaten der EU, der FDA und von Health Canada erzeugt. Bei Allergenen wird zwischen zugesetzter Zutat und Kreuzkontakt unterschieden.

Zusammensetzungsliste eines Eclairs in beCPG: Halbfertigprodukte Brandteig und Konditorcreme, Rohstoffe, eingesetzte Mengen, Gewicht, Ausbeute und Verlust
Eine mehrstufige Rezeptur in beCPG: Halbfertigprodukte, Rohstoffe, Mengen, Ausbeuten und Verluste.

Kundenspezifikationen werden während der Formulierung geprüft, und Datenblätter werden in der Sprache des Empfängers erzeugt. Die regulatorische Sicht liefert ein Ergebnis je Land und Verwendung, mit der zugrunde liegenden Vorschrift. Verpackungen tragen die PPWR-Recyclingklasse. Das Lieferantenportal, Projekte und Workflows laufen auf derselben Plattform.

Für die Integration bietet beCPG eine REST-API, einen SAP-Konnektor, einen GS1-GDSN-Konnektor und einen konfigurierbaren CSV-Konnektor. Es läuft als SaaS mit Hosting in Europa oder in den USA oder auf Ihren eigenen Servern; die Community-Edition steht unter der Lizenz GNU LGPL v3. Testen Sie beCPG 30 Tage kostenlos oder fordern Sie eine Demo mit Ihren eigenen Produkten an.

Quellen

Häufige Fragen

Ab wann braucht ein Lebensmittelhersteller eine PLM-Software?

Sobald Ihre Tabellen nicht mehr zeigen, welche Produkte von einer Änderung betroffen sind. Das ist meist ab einigen Dutzend Rezepturen der Fall, oder sobald Sie unter mehreren Marken, für Handelsmarken oder in mehreren Ländern verkaufen.

Was unterscheidet PLM und ERP in der Lebensmittelindustrie?

Das PLM definiert das Produkt: Rezeptur, Spezifikationen, Kennzeichnung, Verpackung und Versionen. Das ERP setzt es um: Einkauf, Bestände, Fertigungsaufträge und Verkauf. Beide tauschen die freigegebene Rezeptur und die Kosten aus. Mehr dazu in PLM und ERP: Wer verwaltet welche Produktdaten?

Wie lange dauert die Einführung?

Das hängt vom Umfang und von der Qualität Ihrer Daten ab. Beginnen Sie mit einer Produktlinie und ihrer Kennzeichnung, erweitern Sie dann, und verlangen Sie von jedem Anbieter einen Zeitplan mit Kosten.

Sollte eine Lebensmittel-PLM in der Cloud oder auf eigenen Servern laufen?

Die Cloud nimmt Ihnen Infrastruktur und Updates ab. Eigene Server passen zu Unternehmen, die internes Hosting verlangen. Prüfen Sie in beiden Fällen den vollständigen Datenexport. Mehr auf unserer Seite PLM-Software für die Lebensmittelindustrie.

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